Was D-MER verstärken kann

Wie beschrieben hat der Großteil der Mütter mit D-MER einen milden Verlauf. Derzeitige Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass ein D-MER mit der Zeit immer schwächer wird und sich – insbesondere ein milder D-MER – mit der Zeit von selbst gibt. Je nach Intensität des D-MERs kann dies unterschiedlich lang dauern. Die D-MER Intensität kann jedoch auch tageweise schwanken, je nachdem, wie stark etwaige Zusatzbelastungen auf die Mutter jeweils wirken.

Folgende Faktoren können einen bestehenden D-MER verschlimmern:

PumpenDer D-MER kann sowohl beim Stillen, als auch beim Pumpen/Handentleeren und auch spontanen MSRn auftreten. Auch wenn es Fälle gibt, bei denen die Mutter den D-MER beim Pumpen schwächer empfindet, als beim Stillen, berichtet doch die Mehrzahl der Mütter, dass Pumpen ihren D-MER verstärkt. Eine mögliche Erklärung dafür ist die beim Pumpen beim geringere Ausschüttung von Oxytocin. Offenbar hat Oxytocin einen gewissen abmildernden Effekt. Dies alles ist von der Art der Pumpe, Passform des Trichter, eingestelltes Vakuum abhängig. Fachkundige Beratung durch die Stillberatung ist hilfreich!
Unerfüllte physische Bedürfnisse/
fehlende Selbstfürsorge
Schlafmangel, Durst, Hunger, Stress
NachtManche Mütter berichten über eine Verschlechterung in der Nacht, was mit dem Einfluss von Dopamin (neben Melatonin und Noradrenalin) auf den zirkadianen Rhythmus erklärbar ist.
KoffeinSowohl ein Zuviel an Koffein als auch eine starke Reduktion des bisherigen Koffeinkonsums können Berichten betroffener Mütter zufolge eine Verschlechterung des D-MERs mit sich bringen.
Starke Reduktion von Zucker, z. B. bei DiätenIn der Fallstudie von Wiessinger & Heise wurde von Verbesserung des D-MERs durch große Mengen Eiscreme berichtet. Es gibt Berichte von Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Zuckerkonsum stark eingeschränkt haben, und dadurch eine Verschlechterung des D-MERs auslösten. Dennoch sei angemerkt, dass in jedem Fall auf gesunde Ernährung zu achten ist.
Nicht-Ernstgenommen-Werden & IsolationMütter, die von ihrem Umfeld nicht ernst genommen werden, empfinden den D-MER als intensiver und können schlechter mit ihm umgehen.
MedikamenteJede Art von Medikation sollte vor der Anwendung gemeinsam mit dem/der behandelnden Ärzt:in auf mögliche Auswirkungen auf den D-MER besprochen werden. Das betrifft auch Galaktagoga (Medikamente, Lebensmittel, Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel, denen milchfördernde Wirkung nachgesagt wird) die in vielen Fällen auf die Laktationshormone abzielen.
Andere zusätzliche emotionale HerausforderungenHat die Mutter eine psychische Vorerkrankung, Missbrauchserfahrungen oder aktuell eine psychisches Beschwerdebild, dann ist es für sie tendenziell natürlich viel schwerer, mit einem D-MER zurecht zu kommen. Eine glz. bestehende Postpartale Depression oder Angsstörung kann einen D-MER ebenfalls verstärken. Umgekehrt kann der D-MER – wie jede zusätzliche Belastung – auch eine psychische Erkrankung verstärken.

An dieser Stelle ist mir wichtig zu betonen, dass bei psychischen Erkrankungen ein (vollständiges) Abstillen meist nicht hilfreich -manchmal sogar kontraproduktiv sein kann. Stillhormone wirken stabilisierend auf die psychische Lage der Mutter. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die dies belegen (siehe Quellen – letzter Abschnitt). Dennoch: Die Mutter benötigt neben einer adäquaten Therapie (Psychotherapie und ggf. medikamentöse stillfreundliche Einstellung) und Unterstützung im Alltag und vor allem auch in der Nacht.